Archiv > Aktionen & Projekte 2015 > Rummelpott statt Halloween

REgrau1 Rummelpott REgrau3 Rummelpott REgrau2
Logoklein
KJH Haby 40 Jahre
Rummelpott

Eine Alternative zu Halloween:
Rummelpott-Laufen zu Silvester

Ein Brauch, der seit einigen Jahren auch in Deutschland geübt wird, ist das Verkleiden und das Sammeln von Süßigkeiten zu Halloween, also am Abend vor dem 1. November. Unsere Kinder hatten den Wunsch geäußert, dieses Fest zu feiern. Wir als christlich orientierte Einrichtung haben uns darüber Gedanken gemacht und kamen zu dem Schluss, dies nicht zu tun. Unsere Entscheidung hat mit den Wurzeln und dem Ruf des Festes zu tun.

 

Die heutigen Halloween-Bräuche werden zurückgeführt auf das große Fest der Kelten, das „Samhain-Fest“. Die Kelten feierten damit das Ende des Sommers. Dieses Fest wird auch in Zusammenhang gebracht mit einem heidnischen Totenfest der Kelten. Die Vorstellung war angeblich, dass an diesem Abend die toten Vorfahren zusammen mit bösen Geistern aus dem Totenreich auf die Erde kommen würden. Um sich gegen sie zu wappnen, stellte man ihnen Essen vor die Tür, verkleidete sich gruselig und zündete große Feuer an. Mit diesen Bräuchen wollten die Kelten ihre toten Ahnen gnädig stimmen oder vertreiben.

 

Die Symbole Feuer, Geister und Verkleidung des heutigen Halloween sind Überreste dieser keltischen Bräuche. Später hatte Papst Gregor III. das Fest „Allerheiligen“, das zuvor im Mai gefeiert wurde, auf eben diesen 1. November verlegt, um ein heidnisches durch ein christliches Fest zu ersetzen. Dieser Tag diente den Gläubigen dazu, ihrer verstorbenen Mitmenschen zu gedenken. Die Protestanten legten den Reformationstag auf den 31. Oktober. Heute stehen die beiden großen Kirchen dem Halloween-Fest skeptisch gegenüber, da sie befürchten, dass an diesem Abend kaum an die Toten und umso mehr an den eigenen Spaß gedacht wird.

 

Ein weiterer Grund, warum wir in unserer Einrichtung kein Halloween feiern wollen ist, dass dieses Fest jedes Jahr für einigen Ärger sorgt durch Jugendliche, die es mit ihrem Spaß, verbunden mit der Forderung „Süßes oder Saures“, zu weit treiben. Es kommt dabei immer mehr zu Sachbeschädigungen wie verklebte Türschlösser, mit Farbe besprühte Hauswände und zerkratzte Autos, weshalb dieses Fest bei einigen Mitbewohnern zu Unbehagen geführt hat und immer mehr Menschen an diesem Abend nicht mehr die Tür öffnen wollen.

 

Wir bieten den in unserer Einrichtung lebenden Kindern daher eine Alternative an: Das Rummelpott-Laufen am Silvesterabend. Der Rummelpott ist ein altes, einfaches Instrument, das einen dumpfen Ton erzeugen kann. Schnell aus einer mit einer Schweinsblase bespannten Dose hergestellt und mit einem Weidenstock geschlagen, wurde es schon im 15. Jahrhundert in den Niederlanden gebraucht. Dieser traditionsreiche Kinderspaß hat sich bis heute in Schleswig-Holstein und Süddänemark erhalten. Kinder gehen mit diesem Instrument an die Türen ihrer erwachsenen Mitmenschen und bitten um Süßigkeiten. Dabei singen sie etwas oder sagen ein Gedicht auf.

 

Wir hatten diesmal zwar keinen Rummelpott dabei, die Kinder verkleideten sich aber gern (siehe Fotos oben) und übten in relativ kurzer Zeit ein Gedicht ein. Es sollte ein leichtes und zugleich lustiges Gedicht sein, das zum Jahreswechsel passt. Auf das Gedicht „In der Neujahrsnacht“ von Joachim Ringelnatz trifft dies zu:

 

In der Neujahrsnacht

 

Die Kirchturmglocke

schlägt zwölfmal Bumm.

Das alte Jahr ist wieder mal um.

Die Menschen können sich in den Gassen

vor lauter Übermut gar nicht mehr fassen.

Sie singen und springen umher wie die Flöhe

und werfen die Mützen in die Höhe.

Der Schornsteinfegergeselle Schwerzlich

küsst Konditor Krause recht herzlich.

Der alte Gendarm brummt heute sogar

ein freundliches: Prosit zum neuen Jahr.

 

Nach dem Verkleiden und mit großer Vorfreude machten sich die Kinder mit einem Erzieher auf den Weg durch das Dorf. An den ersten beiden Türen hakte es noch ein wenig mit dem Gedicht, aber dann nahmen die Kinder richtig Fahrt auf. Laut und klar kamen die Worte über die Lippen und die mitgebrachten Tüten füllten sich mit Süßigkeiten. Viele Bewohner Habys waren geradezu angetan von dieser netten Geste der Kinder und teilten es auch Tage später der Einrichtungsleitung mit.

 

Für die Kinder war dieser Abend ein besonderes Ereignis. Sie haben als sogenannte „Heimkinder“ mit ein wenig Übung etwas gemeinsam geschafft: Sie brachten am Silvesterabend ein wenig Freude an die Türen, weil sie nicht lediglich etwas forderten, sondern gern auch etwas dafür gaben, einen mit leuchtenden Augen vorgetragenen Neujahrsgruß.

 

Mehr Beiträge zum Thema

Silvester 2007
 

 

> Seitenanfang
> zurück

Neujahrsbrief 2013
Kontakt
Leistungen
Qualitaet
Alltag
Aktuelles
m1
KJH Haby 40 Jahre